Effi Briest

Effi Briest

Nach Theodor Fontane

In der von Karin Eppler erstellten Theaterfassung wird aus dem Fontane Klassiker ein Streifzug durch das Leben von Effi Briest, um den schnellen Aufstieg und den tiefen Fall der jungen Frau. Der schwankende Grat zwischen der Persönlichkeitsentfaltung unter dem wertenden Blick der Gesellschaft wird intensiv und unmittelbar erlebbar.

Die junge, temperamentvolle Effi heiratet aus gesellschaftlichen Überlegungen den wesentlich älteren und auf Sittenstrenge bedachten Baron von Instetten, der sie wie ein Kind behandelt.  Effi ist verliebt in die Vorstellung einer glamourösen Ehe in den „besseren Kreisen“. Aus dieser sie in Langeweile erstickenden Verbindung erscheint ihr Major von Crampas – bei dem Effi endlich sie selbst sein darf – wie eine Rettung. Eine Rettung , die sie wegen ihrer Ehe natürlich nie wirklich ergreifen darf. Als die beiden sich dennoch näher kommen, wird die moralisch bis dahin völlig unbescholtene Effi in tiefste Konflikte gestürzt.

In dieser Erzähltheaterversion für zwei Schauspieler, begleitet der Zuschauer Effi, wie sie an der Gesellschaft und ihren eigenen Wertvorstellungen Stück für Stück

» Unbeschwert und vergnügt geht es zu. Lustvoll wechseln Guse und Rau zwischen zwölf Rollen: Guse ausgelassen schaukelnd als Effi, im Gespräch mit ihren Freundinnen, dann die liebevolle Mutter; Rau als Erzähler, als leicht seniler gestrenger Vater und als galanter Baron von Innstetten. Punktgenau arbeiten die beiden Schauspieler die jeweiligen Befindlichkeiten heraus, die Inszenierung gibt viel Raum für die Rollenwechsel. Beide scheffeln so viele Sympathiepunkte: Jugendliche Unbedarftheit, stolzes Alter, Geschwätzigkeit, kleinkindliches Gurren, all diese Charaktereigenschaften kommen hier formvollendet zum Zuge. […]

Die Wohlstandsgemeinschaft in Kressin in Hinterpommern strengt zwar an, aber es sind herzensgute Leute. So bleibt der Hund Rollo ein verlässlicher Gesell, der Chinese eine diffuse Gespensterfigur und der Major von Crampas wird zur männlichen Sehnsuchtsgestalt, die auf einmal von der jungen Effi Besitz ergreift, dann aber schnell abgewiesen wird. Und dennoch nimmt von da an die tödliche Abwärtsspirale der Effi ihren Lauf. « StN, 27.01.16