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Fr, 03.Mai // 20:00 - 21:30

Paarlaufen II

oder
Mindestens sechs Personen rennen nach dem Glück, doch das Glück, wie Brecht schon sagte, rennt hinterher

Komödie von Jean-Michel Räber  

Mit Schirin BrendelPaulina PawlikStefan Maaß und Christian Streit
Regie, Bühne und Kostüme: Marcel Keller

Sechs Personen verfolgt der namenlose Erzähler auf der Suche nach dem Glück, das für jeden etwas völlig anderes ist. Kai, der »wegen der Krise« arbeitslos gewordene Werbefachmann, stiehlt voller Wut nach seiner Entlassung seinem Chef Bronsky eine geheimnisvolle Plastik und verkauft sie einer Galerie als sein eigenes Werk. Rosa, die Galerie-Mitarbeiterin, verguckt sich in ihn, während Luisa, die Gattin von Kai, eine unglaubliche kriminelle Energie freisetzt, um ihren Gatten von Rosa fernzuhalten und ihn von einer Karriere als Bildhauer abzuhalten. Aber Kai sieht sich bereits als ein neuer Joseph Beuys und macht sich daran, neue Kunstwerke zu schaffen.

Und daneben tauchen der Psychoanalytiker Rosas auf, dazu Bronsky, der eine geheimnisvolle Stadt in Südamerika suchen will, der Entdecker Percy Fawcett aus dem 19. Jahrhundert, der die geheimnisvolle Statue, die Kai unter dem Titel Paarlaufen II der Galerie verkaufte, aus einem Indianergrab gestohlen hat. Und im Fuße dieser Statue ist der Plan von Eldorado. Räbers rasanter Krimi ist Zeitdiagnose und urkomische Gegenwartsfarce in einem. Zwar müssen sich seine Figuren zunächst unerhörten Gegebenheiten stellen und Scheitern wie auch Verlust erfahren, dann aber werden sie aus eigener Kraft wieder Zuversicht erlangen, ihr Schicksal und ihre Zukunft in die eigenen Hände nehmen, um letztlich etwas ganz Neues zu schaffen.

Räbers Komödie richtet sich an Krimiliebhaber, Genrekulinariker, Liebhaber spielerischer Klamotte und Sinnsucher. Seine skurrilen Figuren treiben ein aberwitziges Spiel auf der Suche nach dem Glück, das auf andere Weise erscheint, als sie es sich erhoffen.

Aufführungsrechte:  Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH

Vier Darsteller, sechs Stühle und viel Wortwitz

Das Forum Theater zeigt die so absurde wie amüsante Komödie „Paarlaufen II“: Zwei Männer und zwei Frauen laufen zur Hochform auf.

Bei denen piept es wohl. Es piepst nicht nur, es krächzt und tschilpt, ein ganzer Urwald ist da zu hören. Das ist erst mal irritierend, da sitzen doch nur zwei Frauen und zwei Männer in grauen Hosen und weißen Hemden. Aber die haben ziemlich viel drauf – unter anderem im Handumdrehen eine Wildnis akustisch hervorzuzaubern.
Leicht irritierend und extrem amüsant, so könnte man die abgedrehte Komödie „Paarlaufen II“ zusammenfassen, die am Samstag im Stuttgarter Forum-Theater Premiere hatte. Da gibt es den Zyniker Bronsky, der eben nicht nur Dschungelgeräusche imitieren kann, sondern jetzt seinen einzigen Angestellten entlassen muss. Die Krise.

Stefan Maaß gibt den Werber, wie er im Buch steht: mit Zigarre im Mundwinkel, lässig auf dem Stuhl hingefläzt und um keine Phrase verlegen. „Nutzen Sie die Krise doch als Chance“, empfiehlt er seinem Angestellten, den er nach 20 Jahren vor die Tür setzt. Doch natürlich ist dieser Bronsky auch ein ziemliches Würstchen, „mit einem leichten Schuppenfilm auf dem Jackett und ohne jemanden, der ihm den mit einer liebevollen Geste wegwischen würde“.

Das erfahren wir wiederum von einer Art Chor mit gemischten Stimmen: Schirin Brendel, Paulina Pawlik, Christian Streit und eben Stefan Maaß sind mal Kommentatoren, mal die Getriebenen, die in der Krise neue Chancen suchen – und seien sie auch noch so abwegig.
Der entlassene Angestellte wird zum Dieb und erfindet sich neu als Künstler, der betrunken an der Säge hantiert. Und ist dann – eins, zwei, drei – ein Abenteurer des 19. Jahrhunderts, der mit britischem Upper-Class-Akzent hanebüchene Geschichten von Menschenfressern und aufgespießten Köpfen erzählt, die anfangen zu reden. Was ist das für ein Blödsinn! Aber letztlich hängt in „Paarlaufen II“ eben doch alles mit allem zusammen.

Dass der von dem Kabarettisten und Dramatiker Jean-Michel Räber geschriebene Text nicht völlig aus dem Ruder läuft, sondern am Ende sogar alle Fäden wieder aufnimmt, ist schon eine Leistung an sich.
Vor allem ist es jedoch die mit reichlich komischem Talent gesegnete Schauspieltruppe unter der Regie von Marcel Keller, welche die wilden Kapriolen um eine lahme Ehe, einen müden Analytiker und eine verhuschte Galeriegehilfin mit dementem Vater zu einem amüsanten und kurzweiligen Abend machen. Requisiten braucht das Quartett dazu wenig. Sechs Stühle, viel Wortwitz und genau gesetzte Gesten reichen völlig aus.

Stuttgarter Zeitung, 22.03.2023, Dorothee Schöpfer
25 Euro Förderticket*
18 Euro Vollzahlerticket
16 Euro Ermäßigtes Ticket**
8 Euro Hintere Plätze***
7 Euro Ticket für Student*innen, Azubis, Schüler*innen****
Sonderpreise für Schulklassen
Bonuscard Kultur: Eintritt frei

Im Online-Verkauf: Eintrittspreis zzgl. Vorverkaufsgebühr. Weitere Informationen zum Thema Tickets finden Sie unter diesem Link.

* Förderticket: Vielen Dank für Ihre zusätzliche Unterstützung!

** Als ermäßigt gelten Besitzer*innen eines Schwerbehindertenausweises

***Bitte beachten Sie, dass Karten für  „Hintere Plätze“ ausschließlich telefonisch oder persönlich über das Kartenbüro bestellbar sind. 

****Bei allen Eigenproduktionen: 7 Euro-Ticket für Schüler*innen, Student*innen, Azubis. Bitte Nachweis am Einlass vorzeigen. 

Möchten Sie vor der Vorstellung etwas im Forum Café essen? Dann empfehlen wir Ihnen, sich mindestens eine Stunde vor Vorstellungsbeginn im Café einzufinden. 

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