Premiere am 08. Oktober 2015

Das Wintermärchen

Von William Shakespeare

Mit Britta Scheerer, Schirin Brendel , Laura Kaiser, Johannes Hauser/Tobias Wagenblaß (Übernahme) , Martin König,Michael Ransburg und Udo Rau
Regie: Dieter Nelle
Bühne: Marcel Keller
Kostüme: Marie Freihofer

Ausgezeichnet mit dem Monica Bleibtreu Preis 2016 bei den Privattheatertagen Hamburg

Aus der Winterstarre führt das Stück in einen unfassbaren Sommer – von der zerstörerischen Verblendung aus Eifersucht zur Erlösung durch Liebe und Vertrauen.

Man weiß, dass es in Märchen oft schrecklich zugeht. Hänsel soll in den Backofen gestopft werden, Dornröschen und ein ganzes Land verfallen in einen hundertjährigen Schlaf, Schneewittchen liegt im Giftkoma. Wenn Shakespeare am Ende eines langen Theaterlebens ein Märchen schreibt, dann weiß er was er tut und mischt alles hinein, was es dazu braucht – und mehr. In Shakespeares „Wintermärchen“ führt ein plötzlicher Anfall von Eifersucht dazu, dass König Leontes alles verliert, was er hat: seinen besten Freund, seinen Sohn, seine neugeborene Tochter und seine Ehefrau. Ein blühendes Königreich verfällt der Winterstarre trostloser Trauer in dessen Innerstem Leontes in Einsamkeit versinkt. Der erste Teil des Wintermärchens ist finster wie Othello oder König Lear. Der zweite Teil spielt 16 Jahre später. Denn Heilung braucht Zeit. Der zweite Teil ist heiter und elegante Komödie, voller Musik und Taschenspielertricks. Am Ende gewinnt Leontes wunderbarerweise seine Tochter, seine Frau und seinen Freund zurück. Der eigene Sohn ist unrettbar verloren, dafür gewinnt er einen Schwiegersohn. Alles hat seinen Preis – auch das Glück.

Wunderbar unaufdringlich verbindet die Inszenierung Shakespeare mit der Gegenwart.

» Ja, sie schäkert und tändelt. Die rechte Hand auf dem schwangeren Bauch ruhend, flirren die Augen der Königin. Und man sollte es ihrem Gatten, König Leontes, nicht verübeln, dass er ein wenig eifersüchtig wird. Dass Leontes Fantasie aber psychotischen Blüten treibt, die ihn „vom ganzen Schädel über beide Ohren gehörnt“ sehen, kann nur in die temporäre Katastrophe führen. Denn Hermione, seine Frau, ist ehrenhaft. Ein Glück, dass William Shakespeare dem Protagonisten eine zweite Chance gibt. Ein Schäferspiel führt zum Happy End. […] Mit einem kleinen Ensemble ein so opulentes Werk wie „Das Wintermärchen“ auf eine ebenso kleine Bühne zu bringen, grenzt an Tollkühnheit. Dieter Nelle hat sie mit sieben Schauspielern in vielen Rollen gewagt – und gewonnen. […] «                                                                                           Stuttgarter Nachrichten, 13.10.15

» […] Dieter Nelles Inszenierung schafft es, Shakespeares umwerfende Modernität auf der Bühne zu verdeutlichen. Seine psychologische Schärfe und Klarheit lässt alles Ständisch-Formale, alles Historische verblassen. […] Am Ende wird alles gut, doch das Happy End wirkt nicht peinlich und aufgesetzt, sondern ist ein theatralischer Gegenentwurf zum realen So-Sein. Nach gut drei Stunden steht Udo Rau als Leontes ganz allein staunend auf der Bühne, und das ist ein sprechendes Schlussbild.                                                                                                                                                                                            Stuttgarter Zeitung, 12.10.15

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