Hamlet

Hamlet

Von William Shakespeare

NOMINIERT FÜR DEN MONICA BLEIBTREU PREIS 2018

Hamlet hat zur Zeit Luthers in Wittenberg studiert. Er kommt direkt aus einer Studentenrevolte an den

Hof von Dänemark. Kaum angekommen, erscheint ihm sein verstorbener Vater als Geist und eröffnet ihm,
dass er ermordet worden sei. Er fordert den Sohn auf, ihn zu rächen. Das ist ganz klar ein patriarchalisches
Grundmuster. Indem Hamlet die Welt der Väter auf ihre Rechtmäßigkeit befragt, zerstört er zugleich die
Frauen.

Wir stellen Hamlet ins Zentrum des Stückes. Um ihn herum werden alle Rollen von Frauen gespielt. Sie erzeugen und spielen ein männliches System, das sie selbst marginalisieren will.

Shakespeares Hamlet ist ein verstörend komplexes Drama. Es geht um die Macht eines Systems, dem man kaum entkommen
kann. Es geht um selbstbestimmtes Handeln, um den Verlust der Liebe, um Verrat. In kaum einem anderen Stück ist die Radikalität des Denkens der Radikalität des notwendigen Handelns so stark gegenübergestellt.

Das Drama gilt als neuzeitlich schlechthin, weil dem Denken und der Selbstbestimmung als Individuum eine zentrale Bedeutung zukommt.

Hamlet“ vom Forum Theater Stuttgart ist für den beliebten Monica Bleibtreu Preis nominiert und startet bei den 7. bundesweiten Privattheatertagen 2018 in Hamburg in der Kategorie (Moderner) Klassiker.

Die Jury überzeugte der Ansatz und das Spiel und hat „Hamlet“ für den Monica Bleibtreu Preis 2018 nominiert.

Mit „Hamlet“ ist das Forum Theater Stuttgart nach 2016 (Das Wintermärchen, Monica Bleibtreu Preis 2016, Kategorie Moderner Klassiker) zum zweiten Mal zu den bundesweiten PRIVATTHEATERTAGEN eingeladen. Das Festival läuft vom 19. Juni bis zum 1. Juli 2018 in Hamburg. Die Bekanntgabe der Gewinner findet bei einer festlichen Abschlussgala am 1. Juli 2018 statt. Das Stück startet in der Kategorie (moderner) Klassiker.

„Hamlet“ vom Forum Theater Stuttgart konkurriert in der Kategorie (Moderner) Klassiker mit „Das Lächeln am Fuße der Leiter“ vom Societaetstheater Dresden, „Buten vör de Döör / Draußen vor der Tür“ vom Ohnsorg Theater, Hamburg und „Die Liebe der kleinen Mouche“ vom Waidspeicher-theater Erfurt.

PRIVATTHEATERTAGE:
„Hamlet“ vom Forum Theater Stuttgart
Donnerstag, 21. Juni 2018, 19:30 Uhr // Spielstätte: Ernst Deutsch Theater, Hamburg
Kategorie: (Moderner) Klassiker

Die PRIVATTHEATERTAGE werden von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Sie sollen auf die Bereicherung der Theaterlandschaft durch die künstlerische Vielfalt der 280 deutschen Privatbühnen aufmerksam machen. Vom 19. Juni bis 1. Juli 2018 werden zwölf nominierte Theaterstücke in Hamburg aufgeführt, aus denen eine unabhängige Festival-Jury die Gewinner die Monica Bleibtreu Preise in den Kategorien (moderne) Klassiker, Komödie und (zeitgenössisches) Drama auswählt. Der undotierte Preis wird im Rahmen der feierlichen Abschlussgala am 25. Juni 2017 vergeben. Die Festivalbesucher haben zudem die Gelegenheit, eine Theaterproduktion mit dem Publikumspreis zu würdigen.

Weitere Infos über die PRIVATTHEATERTAGE: www.privattheatertage.de

Die Hamburger Privattheatertage sind eine Leistungsschau der deutschen Kleintheater. Dass Stuttgart gleich mit drei Inszenierungen vertreten ist, ist ein Beleg für das Niveau der hiesigen Szene.

Stuttgart – Gleich drei Stuttgarter Inszenierungen sind zu den renommierten Privattheatertagen in Hamburg eingeladen worden: das Forum-Theater mit „Hamlet“ in der Regie von Dieter Nelle, das Theaterhaus mit den von Werner Schretzmeier inszenierten „7 Minuten“ sowie das Studio-Theater mit dem von Christof Küster eingerichteten „Hungaricum“. Noch vor Berlin, das zwei Inszenierungen nach Hamburg schickt, ist Stuttgart damit die Stadt mit den meisten der insgesamt zwölf Nominierungen – ein Ausweis des hohen Niveaus, das in der Stuttgarter Szene herrscht.

Stuttgart ist festivaltauglich

Die ausgewählten Stuttgarter Inszenierungen sind auf ihre je eigene Weise sehr aktuell. Im „Hamlet“ des Forum-Theaters brilliert in der Titelrolle Michael Ransburg als sehr heutiger, von Gram und Zweifel zerfressener Intellektueller, der an der Verlogenheit der etablierten Ordnung zerbricht. Als zeitgenössische Groteske erweist sich „Hungaricum“ im Studio-Theater, das ein Panoptikum randständiger Figuren im neuen Europa vorstellt. Und schließlich die „7 Minuten“ im Theaterhaus: Das Konversationsstück leuchtet im Hin und Her der Argumente einen Konflikt in der Arbeitswelt aus, wo ein aus Frauen verschiedener Nationen bestehender Betriebsrat einer Pausenverkürzung zustimmen soll. Die Gemeinsamkeit der drei Produktionen: Sie sind – mit kleinen Einschränkungen – tatsächlich festivaltauglich.

Die Hamburger Privattheatertage sind als Leistungsschau der deutschen Kleintheater das Pendant zum Berliner Theatertreffen, das von Stadt- und Staatstheatern dominiert wird. Sie finden in diesem Jahr zum siebten Mal statt. Die ausgewählten Inszenierungen werden vom 19. Juni bis 1. Juli in verschiedenen Theatern der Hansestadt präsentiert. Am Ende des fast zweiwöchigen Festivals vergibt eine Jury in drei Kategorien – moderner Klassiker, Komödie und zeitgenössisches Drama – den begehrten Monica-Bleibtreu-Preis.

Stuttgarter Zeitung, 12. April 2018

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Ist Ham­let ver­rückt, oder tut er nur so?
In der „Ham­let“-In­sze­nie­rung des Fo­rum-Thea­ters spie­len fast nur Frau­en.

Cord Beint­mann

Die Büh­ne liegt im Däm­mer­licht, von der De­cke hängt ei­ne gro­ße zy­lin­dri­sche Form aus lan­gen Fä­den, so­dass ein Au­ßen- und ein In­nen­raum ent­steht. Die Schau­spie­ler schlüp­fen durch die Wand aus Schnü­ren, die im­mer wie­der auf- und zu­ge­zo­gen wird. So ge­lingt es, den Ab­lauf des düs­te­ren Shake­speare-Dra­mas „Ham­let“ räum­lich zu struk­tu­rie­ren. Es ist ein rät­sel­haf­tes Stück, of­fen für di­ver­se In­ter­pre­ta­tio­nen. Im Fo­rum-Thea­ter spielt Mi­cha­el Rans­burg den Dä­nen-Prin­zen, fünf Frau­en sind die Dar­stel­le­rin­nen al­ler an­de­ren weib­li­chen und männ­li­chen Fi­gu­ren.

Dem Re­gis­seur Die­ter Nel­le geht es um Au­to­ri­täts­kon­flik­te und Macht­struk­tu­ren, da­her möch­te er die männ­li­chen Prot­ago­nis­ten in ih­rer so­zia­len Ge­schlechts­zu­ge­hö­rig­keit zei­gen. Das klappt vor­züg­lich.
 
Schi­rin Bren­del ver­kör­pert ei­nen selbst­ge­fäl­li­gen Kö­nig Clau­di­us, Mar­ti­na Gu­se ist ein au­to­ri­tär dröh­nen­der Po­lo­ni­us, The­re­sa Ber­la­ge spielt Po­lo­ni­us’ Sohn La­er­tes als hys­te­ri­schen Ma­cho.[…]
 
Mi­cha­el Rans­burg trägt die In­sze­nie­rung mit gro­ßer Prä­senz. Er ist ein wand­lungs­fä­hi­ger Dar­stel­ler, mal Grüb­ler, mal Phi­lo­soph, dann auf ein­mal der nass­for­sche Laut­spre­cher. Mit ei­nem Bein steht Ham­let noch in ei­ner vor­mo­der­nen Welt der un­hin­ter­frag­ten Au­to­ri­tä­ten, mit dem an­de­ren aber schon in der Mo­der­ne, als sen­si­bler Skep­ti­ker, und die­se Am­bi­va­lenz be­kommt Rans­burg gut hin.
 
Die­ter Nel­le hat den Ori­gi­nal­text re­du­ziert und bra­vou­rös in ein Ge­gen­warts­deutsch über­tra­gen. Die Kos­tü­me von Han­nes Hart­mann und Leo­nie Mohr (Aus­stat­tung) sind mo­dern an­ge­legt. Es ist reiz­voll, die Schau­spie­le­rin­nen je nach weib­li­cher oder männ­li­cher Rol­le in un­ter­schied­li­cher Ge­wan­dung zu se­hen. […]
 
Nel­le schafft es, die Sze­nen span­nend zu hal­ten. Im­mer wie­der ge­lingt ihm ei­ne fas­zi­nie­ren­de Ver­dich­tung, et­wa wenn Ham­let und Ophe­lia (Lie­ko Schul­ze) sich ein irr­sin­ni­ges Wort­ge­fecht lie­fern.

Das Stück bleibt selt­sam rät­sel­haft.                                                                                           StZ, 07.10.2017