Die Frau vom Meer

Die Frau vom Meer

von Henrik Ibsen

»Aber daß ich mich entscheide, nach meinem innersten Willen, das kannst du nicht verhindern.«
Ellida Wangel ist die Frau vom Meer, gestrandet in der Kleinstadt im Fjord, getrieben von der leidenschaftlichen Anziehungskraft, die das Meer auf sie ausübt, diese unbegreifliche Macht über die Sinne. Ihr Dasein verzehrt sich in der Atmosphäre der ständigen Erwartung, der Sehnsucht nach »etwas anderem«, das sie befreien soll aus dem bürgerlichen Leben, das Dr. Wangel, ihr Mann, ihr bietet. Die »halbtote Meerjungfrau« kommt fast um im Brackwasser der Kleinstadt, findet nicht zurück auf das offene Meer, an die frische salzige Luft, in die Freiheit. Dr. Wangel hängt in Gedanken seiner verstorbenen Frau nach. Ellida flüchtet sich in den Traum vom Fremden, dem Seemann, dem sie einst verbunden war. Plötzlich steht der Fremde vor ihrer Tür und fordert Ellida auf, mit ihm zu gehen. »Er ist das Verlockende. Der Mann ist wie das Meer.« In der Konfrontation, sich zwischen ihm und Dr. Wangel zu entscheiden, entdeckt sie, dass in ihrem Bewusstsein längst etwas anderes herangereift ist: die Sehnsucht nach sich selbst.

»In lbsens Drama ›Die Frau vom Meer‹ (1890) gibt es Beziehungsgespräche, die ebenso gut 2003 stattfinden könnten. Zu sehen ist das in einer hochkonzentrierten, fesselnden Inszenierung von Ulrike-Kirsten Hanne im ForumTheater. Ellida ist mit dein biederen Arzt Wangel verheiratet. Vor Jahren hatte sie sich mit einem geheimnisvollen Seemann verbunden, dessen virile Macht sie schlichtweg willenlos machte. Jetzt taucht er wieder auf und bricht in die ausgelaugte Ehe ein.
Ellida (eindringlich: Dorothea Baltzer) soll sich zwischen dem Meermann (Cornelius Dane) und dem Gatten (präzise: Peter Zimmermann) entscheiden. Ibsen wühlt sich seelenkundlich in seine Figuren. Das Schönste ist Sabine Effmert als Meerjungfrau, wie sie psychoanalytisch alles Mögliche aus einem Stoffisch herausholt. Dazu gibt es verstörende Klänge von Ulrike Helmholz.« StZ, 20.11.03

»Dorothea Baltzers Ellida leidet wie ein Vogel im Käfig ehelicher Pflichten. Am Ende wird sie indes den Lockungen des Fremden nicht folgen, sondern freiwillig bei ihrem Mann bleiben. Bei beiden keimt zögerlich ein Lächeln auf. Es lässt hoffen, dass sie die Kluft zwischen sich werden überwinden können.« StN, 20.11.03