Zarah 47

Zarah 47

Eine musikalische Hommage an Zarah Leander von Peter Lund

2. Preis ›Monospektakel 2016‹

Man schreibt das Jahr 1947. Zwei Jahre nach dem Ende von Krieg und Nazi-Terror feiert Zarah Leander ihren 40. Geburtstag und erwartet auf ihrem schwedischen Gut einen Ansturm von Gratulanten. Doch niemand kommt. Der einstige UfA-Star muß sich der bitteren Einsicht stellen, daß ihre Landsleute sie verachten und der Rest der Welt sie vergessen zu haben scheint. In einem furiosen Monolog – klug, witzig und von Skrupeln nicht gepeinigt – versucht die vereinsamte Diva ihre Karriere im Dritten Reich zu rechtfertigen und verfängt sich dabei immer tiefer in einem undurchdringlichen Gestrüpp aus Lebenslügen und Erinnerungen. Dazwischen singt sie ihre großen Lieder, die wie Leuchtbojen durch den diffusen Nebel der Vergangenheit weisen.
Ein Porträt einer legendären Künstlerin. Eine Studie über das Verhältnis von Kunst und Moral. Ein Solo für Martina Guse.

»Der eineinhalbstündige Monolog von Peter Lund, dem intelligentesten unter Deutschlands Musicalautoren, entstand bereits 1992, im Stuttgarter Forum-Theater spielt nun Martina Guse die Diva und singt mit ihrer dunklen Stimme die berühmten Songs wie ›Yes, Sir!‹. In der Regie von Maarten Güppertz entsteht das Porträt einer bei aller Faszination gefährlich ehrgeizigen Frau, bewundernswert in ihrer stolzen Verachtung für manipulative Männer, ihrer nüchternen Schnoddrigkeit gegenüber den Mächtigen, aber bemitleidens- und verachtenswert in ihrer politischen Verdrängungskunst, im unbedingten Streben, ein großer Star zu werden. […] Martina Guse sieht der Leander kaum ähnlich, aber ihre elegante Erscheinung, gepaart mit einer herrischen, oft herablassenden Attitüde malt perfekt das Bild einer Diva, die eventuell nagende Selbstzweifel sofort in zynischer Kritik an den Idioten um sie herum erstickt.« Kultur, Februar 10

»Es ist ein Vergnügen, den schönen Händen der Martina Guse zuzusehen, ihren sparsamen Körperbewegungen, die vom koketten Bedürfnis einer Künstlerin nach Publikumsverehrung erzählen, die erotischen Couplets im Kontra-Alt und in Begleitung des Pianisten Joachim Bilek zu hören. Mangelnde Stimmfülle wird durch klare Tongebung und präzise Aussprache ausgeglichen. In schimmernder Seide und Federboa gewandet, tänzelt die Schauspielerin zu Songs wie ›Nur nicht aus Liebe weinen‹, ›Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben‹ und ›Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn‹.« StN, 11.01.10

»Das spezifisch Leandersche Dröhnen, den herrischen Ton vermeidet Guse. Manchmal parodiert sie Leander mit einem forciert gerollten R, doch sonst singt Martina Guse mit ihrer leicht abgedunkelten Stimme in einem wunderbar klaren Ton, der nüchtern, aber nicht kalt ist. Guse kann grummeln, lasziv gurren und leidenschaftlich schreien. Joachim Bilek begleitet sie sachte und prägnant am Klavier. Zarah Leanders Ohrwurm ›Ich steh im Regen‹ interpretiert Guse schön ziehend, ganz zart und zugleich absolut klar.
Wundervoll, wie der Klang ihrer Stimme im Laufe des Liedes immer selbstironischer gerät. Und bei ihren letzten drei Liedern, zwei davon sind Zugaben nach heftigem Beifall, hört man nicht mehr Zarah Leander, sondern nur noch die Sängerin Martina Guse, den ganz eigenen, sehr berührenden Klang ihrer Stimme.« StZ, 11.01.10