Vorstellungsgespräch

Vorstellungsgespräch

von Joachim Zelter

Joachim Zelter hat aus seinem vielbesprochenen Buch ›Schule der Arbeitslosen‹ ein Zweipersonenstück gebaut, das er uns zur Welturaufführung übergeben hat.
Der Inhalt: Endlich bekommt Klawitter, der Langzeitarbeitslose, Post – eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Zum ersten Mal seit Jahren scheint für Klawitter eine wirkliche Stelle greifbar nahe. Die Fragen eines Herrn Fest sind viel versprechend. Doch je länger das Gespräch dauert, um so mehr erweist sich dieses Vorstellungsgespräch als Vorstellungsgespräch im doppelten Sinn des Wortes. Geht es eigentlich um eine reale Stelle oder illusionäre Lebens- und Berufsvorstellungen? Klawitter wird hin- und hergeworfen zwischen Hoffnung und Enttäuschung. Doch dann erlebt er den realen Wahnsinn, denn das Gespräch verhandelt in Wahrheit Klawitters Eignung für ein Arbeitslosenschulungsprogramm in einer Bewerberschule. Das ist aber nur die erste Schule, denn darauf folgen Stufen um Stufen weitere – ohne Ausblick auf eine reale Stelle.
Eine dramatische Groteske über die Arbeitsbeschaffungswelt. Absurd, komisch, unterhaltsam.

»Studium, Auslandsaufenthalt, Berufserfahrung? Die üblichen Fragen halt. Doch bei: ›Gehen Sie bei rot über die Ampel, kennen Sie Prominente?‹, stutzt man. Auch Herr Klawitter schaut etwas indigniert, aber eben nur etwas, denn Maarten Güppertz spielt den Bewerber als einen anrührend sanften Mann. So antwortet er langsam: ›Ich traf einmal Udo Lindenberg.‹ Wunderbar. Wird ihm nicht helfen, um eine Stelle als Biologe zu bekommen, das Vorstellungsgespräch ist ja keins. Es ist eine Übung in der ihm der coole Trainer klarmacht, Leben ist Inszenierung.« StN, 30.10.07

»Was wie eine Groteske begonnen hat, wird zur deutlichen Anklage gegen die Erniedrigung von Menschen, deren Bewerbungen um Arbeit abgelehnt werden. Die beiden Darsteller haben begriffen, das auch das Sprechen, nicht nur der Körper, einen Gestus hat. Dr. Fest, der Trainer, darf auf einem stilisierten Baum herumklettern. Aber es zieht sich hier niemand aus, es wälzt sich auch niemand auf dem Boden – so haben wir schon lange nicht mehr Theater erlebt, und siehe da: es geht uns nichts ab.« StZ, 29.10.07