Purgatorio

Purgatorio

von Ariel Dorfman

Stuttgarter Theaterpreis 2005 in der Kategorie “Beste schauspielerische Leistung”

Zwei Menschen, eine Frau und ein Mann, befinden sich in einem Raum ohne Fenster und Türen. Befinden sie sich in dem Innern des jeweilig anderen? So könnte man fragen. Es gibt kein Entkommen. Der Anblick zugefügten Leids soll zu Reue und Vergebung führen. Die Frau hat die gemeinsamen Kinder ermordet. Der Mann hat eine andere Frau genommen. Sie wollte ihn, er sie, treffen mit dem Messer der Rache. Wer nun trägt die Schuld für das Vergehen? Und wenn man sich dessen bewusst ist, was dann?
Die Geschichte von Medea und Jason ist bekannt. Hier nun begegnen sie sich im Purgatorio, dem Fegefeuer, und müssen der Wahrheit ins Gesicht sehen. Das ist verdammt schwer. Fast unmöglich. Zunächst versuchen es die beiden mit Lügen und Verdrängung. Erst aber, wenn sie sich erkennen, ist Vergebung möglich. Aber kann man den anderen erkennen? Wie schafft man das?
Ariel Dorfman schrieb dieses Theaterstück als Reflexion menschlicher Verstrickung. Auch schon in seinem Theaterstück ›Der Tod und das Mädchen‹ (verfilmt von Roman Polanski) legte Ariel Dorfman sein Publikum auf das analytische Sofa. Auch dort ging es um Erkennen und Vergeben. Hier begegnen wir dem alten griechischem Theater der Katharsis.
Im Oktober 2005 erhielten Barbara Stoll und Maarten Güppertz für ›Purgatorio‹ den Stuttgarter Theaterpreis für die »beste schauspielerische Leistung«.

»Regisseur David Gravenhorst inszenierte das Kammerspiel als packende Bühnenstudie scheiternder Versuche, vor sich selbst und seiner Vergangenheit zu fliehen. Mit starker Präsenz schlüpfen Barbara Stoll und Maarten Güppertz im Wechsel in die Rollen von Frager und Befragtem.« StN, 3.5.05

»Die Inszenierung ist atmosphärisch und schauspielerisch sehr gelungen. Barbara Stoll gibt eine Medea, die den Wechsel zwischen Demütigung, Rage und geistiger Abwesenheit bravourös beherrscht. Im zweiten Teil, in dem ihr Partner Maarten Güppertz dann die Ereignisse aus der Sicht des Jason bereuen muß, gelingt es ihr wiederum, den Part der Therapeutin glaubwürdig zu spielen. Auch Maarten Güppertz überzeugt in den drei Szenen mal als Täter, mal als Therapeut. Die Spannung und das Tempo stimmen; das Publikum ist gefesselz, zumal es seine ganze Energie aufwenden muß, um der Gehirnakrobatik Dorfmans mit den vielen Anspielungen zu folgen, um überhaupt erst einmal Überblick über das Geschehen zu bekommen.« Kultur, Juni 05

»Purgatorium heißt zu Deutsch Fegefeuer. Gedacht ist an einen Ort der Reinigung, modern heißt das Analyse. Dorfmans Stück ist spannend und schön seltsam. Es berührt und bringt zugleich die Gedanken in Trab.
Überraschend der Schluss. David Gravenhorst hat das alles sehr konzentriert inszeniert, und Barbara Stoll und Maarten Güppertz spielen die sperrigen Figuren höchst eindringlich. Aufregendes Theater.« StZ, 3.5.05