Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

von Eric Emmanuel Schmitt

Gar nicht schlecht, einen erwachsenen Freund zu haben, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn die Dinge im Leben mal nicht so laufen, wie man sich das vorstellt. Und noch dazu, wenn er ›Araber‹ ist und wie Monsieur Ibrahim, der Kolonialwahrenhändler in der Rue Bleue, zu jeder Lebenslage etwas Passendes in seinem Koran zu finden weiß. Moses weiß, auf Monsieur Ibrahim, der Tag für Tag unverrückbar in seinem Laden sitzt, ist Verlass, denn er kennt die Geheimnisse des Glücks und des Lächelns. Das hilft selbst in den aussichtslosesten Situationen: Im Männerhaushalt mit dem schwermütigen Vater wie bei den Mädchen in der Rue de Paradies, beim Konservenklauen wie beim Fahren ohne Führerschein. Aber nie sind die Dinge bloß so, wie sie scheinen: Monsieur Ibrahim ist kein Araber, genauso wenig wie die Rue Bleue blau ist…
Eine religionsübergreifende Parabel über Toleranz, Weisheit und Herzensgüte. Das Forum Theater hat dieses wunderbare Theaterstück 2004 auf die Bühne gebracht.

»Regisseur David Gravenhorst inszenierte mit viel Gespür für die leisen Töne … Sehens und hörenswert die Wandlungsfähigkeit, mit der Maarten Güppertz sich sekundenschnell in die Protagonisten der Parabel vom gegenseitigen Verständnis über Religions- und Altersunterschiede hinweg verwandelt.« StN, 23.06.04

»Güppertz umgeht jedes Pathos; der Regisseur David Gravenhorst hat mit erzählerischem Theater ein passendes Konzept gefunden.« StZ, 14.06.04

»Wie Güppertz das macht, ist wirklich sehenswert. Wenn er, fast ausschließlich über die Mimik seines Gesichts, auszudrücken versteht, wie Moses lächeln lernt – das hat Klasse.« Waiblinger Zeitung, 30.10.04

»Im Gegensatz zu manchem im Publikum kommt Momo keine Träne, als er die kleine Geschichte vom lieben Exoten, der wie Lessings weiser und großzügiger Nathan keine religiösen Schranken kennt, zu Ende erzählt. Ein Verdienst der Inszenierung des Regisseurs David Gravenhorst ist gewiss, dass er kein Melodram auf die Bühne des Forum Theaters bringt. Sein Vorbild ist zwar das Kino, aber nicht die Adaption von ›Monsieur Ibrahim‹ mit Omar Sharif in der Rolle des ›Arabers‹. Erinnert hat sich Gravenhorst vielmehr an ›Forrest Gump‹. Da wie dort setzt sich ein naiv gebliebener Held auf die Bank und erzählt aus seinem Leben. Da mit natürlich vielen Bildern; hier, im Forum Theater, auf sparsamer Bühne mit Worten, die Bilder in uns erst heraufbeschwören sollen. Immerhin – sie sind da , nicht ganz so fett wie auf der Leinwand, aber viele davon eindringlicher.« Kultur, Juli 04