Der Mann von la Mancha

Der Mann von la Mancha

Musical von Dale Wassermann

Cervantes hat gerade seinen Roman ›Don Quixote‹ geschrieben, als er von der Inquisition wegen ketzerischer Äußerungen verhaftet wird. Das Gefängnis ist eine eigene Welt, in der Mörder, Huren und Diebe den Ton angeben und in denen die kleinen Betrüger und die Unschuldigen ums nackte Überleben kämpfen. Hier hat nur der eigene greifbare Vorteil eine Daseinsberechtigung. Ellenbogen sind gefragt, kein Mitleid, und Gewalt ist hier die Sprache, die jeder versteht. Wer sie nicht spricht, geht unter.
Aber Cervantes will weder auf dem Scheiterhaufen der Inquisition brennen, noch hier mundtot gemacht werden. Statt dessen will und sucht den Kampf, denn er ist sicher, ihn zu gewinnen – er muss ihn gewinnen. Deshalb zieht er nicht selbst in die Schlacht sondern lässt sein besseres Ich, den Ritter Don Quixote für sich gegen die vermeintliche Übermacht und die Windmühlen der gesellschaftlichen Dummheit und Unmoral kämpfen.
Cervantes verstrickt die Gefangenen in ein Rollenspiel, und so entsteht aus dem Roman ›Don Quixote‹ das improvisierte Musical ›Der Mann von la Mancha‹. Denn dieser Mann hat einen Traum, den Traum von einer besseren Welt, in der für Ehre, Würde und Menschlichkeit so manche Lanze gebrochen wird, ebenso wie für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Diesem Traum, diesem Ruf gilt es zu folgen und es ist ganz egal ob man dabei gewinnt oder verliert, solange man ihm nur treu folgt – bis in den Tod.

»Mit einem Ensemble aus Profischauspielern und straffällig gewordenen Jugendlichen ist dem Forum-Theater in der Regie von Manuel Jendry eine sehenswerte Aufführung gelungen. Der Knast – mit Stockbetten und Insassen mit Häftlingsnummern auf ihren Unterhemden – verwandelt sich mit wenigen Requisiten in eine Kneipe, der ›Gouverneur‹ Jusuf Gulevski wird zum zwielichtig-gutmütigen Schankwirt. Martin Theuer spielt nicht nur den sympathisch bodenständigen Diener und Gefährten Sancho Pansa, sondern macht auf der Gitarre auch zusammen mit Oliver Prechtl am Klavier und Uwe Kühners Holz-Percussion die zündende Musik. Maarten Güppertz gestaltet die Doppelrolle des Cervantes/Quijote mit starken Kontrasten und leidenschaftlichem Pathos und ist auch bei seinen Songs gut bei Stimme.
Lisa Scheibe als die mit Schönheit und praktischer Vernunft begabte Köchin und Hure Aldonza erfährt ihre Dulcinea-Verehrung als schrittweise Entdeckung ihrer Menschenwürde. Umso krasser dann die als Breakdance-Taumel stilisierte Vergewaltigungsszene, in der Quijotes reale Hilflosigkeit demonstriert wird. Die verschiedenen Facetten und sängerischen Möglichkeiten ihrer Rolle kann Lisa Scheibe überzeugend darstellen.
So zeigt das Forum-Theater, dass ein Erfolgs-Musical wie ›Der Mann von la Mancha‹ auch ohne große Bühnentechnik mit Einsatz, Engagement und einfallsreichem Spiel zu einem gelungenen, sinnvollen Theatererlebnis werden kann. Sicher nicht nur fürs Publikum, sondern auch für die mitwirkenden Jugendlichen.« Kultur, November 06»Ein Ensemble trat in Erscheinung, dessen Gemeinschaftsgeist sich so kraftvoll äußerte, dass der Zuschauer oft nicht mehr sicher war: Who is who – Knacki oder Profi? Die Grenzen nicht verwischt oder überspielt sondern tatsächlich aufgehoben. Man kann sich als Zuschauer verbeugen vor der Truppe und ihrem Regisseur Manuel Jendry. Was er geleistet hat, um diese einzelnen, vibrierenden Energiebündel, deren individuelle Schlagkraft hin und wieder durchaus spürbar wird, zu einer solchen Gemeinschaftsleistung zu motivieren ist phantastisch.
Maarten Güppertz als Don Quixote agiert wie ein Kind; so traumverloren innig, dass alles um ihn, in Beziehung zu dieser Offenheit zu leuchten beginnt. Martin Theuer als Sancho Pansa widersteht ebenso der Versuchung zur Klamotte und bezaubert mit spielerischer Einfalt. Der weibliche Kraftpol des Abends ist Lisa Scheibe. In ihrer Rolle der Aldonza alias Dulcinea singt sie sich mühelos in alle Herzen. Eine der schönsten Stellen der Inszenierung ist die Vergewaltigung der Aldonza im Stall – weil sie schön ist, greift sie die Seele des Zuschauers an und erschüttert sie nachhaltig. Ajunzi spielt diese Szene so gekonnt ästhetisch aus, dass man staunen muss. Mit der Geschmeidigkeit eines Zirkusartisten ist er sowieso eines der Glanzlichter des Abends. Nicht minder Giuseppe Lanzalaco, der seine Pfarrerrolle mit so lässigem Charme hinnuschelt, dass man meint, er hätte sein Lebtag nichts anderes gemacht. Eine phantastische Gesamtleistung aller Beteiligten. Hier ist es nicht nur rhythm. Es ist wirklich Leben geworden. Hut ab.« Info 3, November 06

»Zu sehen ist turbulentes, witziges Theater.« StZ, 9.10.06

»Auch vier Jahrzehnte nach seiner Uraufführung am Broadway kann das Musical mit seinen zündenden Songs als nach wie vor aktuelle und witzige Bühnenfantasie von einer besseren Welt faszinieren.« StN, 9.10.06