Das Traumlied von Olav Åsteson

Das Traumlied von Olav Åsteson

Aus dem Norwegischen von Dan Lindholm

Das uralte Lied einer christlichen Einweihung, von Generation zu Generation mündlich weitergegeben, wurde Anfang des 19. Jahrhunderts aufgeschrieben.
Zum Inhalt: Olav fällt am Weihnachtsabend in einen tiefen Schlaf, aus dem er erst wieder am Dreikönigsfest erwacht. In diesen zwölf Nächten geht er einen imaginativen Gang durch die »Anderwelt«. Er geht durch die Welt der Elemente und durch die Welt der Seelen, erlebt harte Prüfungen und tiefe schmerzvolle Einsichten, aber auch das Licht und die Kraft, die in die Zukunft führen. Nach dem Erwachen geht er zur Kirche, bleibt aber in der Tür stehen und erzählt, was er erlebt hat. Alle lauschen ihm und der Pfarrer bricht die Messe ab: Hier ist einer, der nicht durch die Kirche, sondern ganz aus eigener Kraft dem Christus im Geiste begegnet ist.

»Die Bühne ist leer. An der Seite kauert der Musiker hinter dem Halbrund seiner Instrumente, im Hintergrund eine liegende Gestalt, gänzlich in ein großes Tuch gehüllt. Es beginnt im todesähnlichen Schlaf, der zugleich Versenkung und Erwachen ist. Zart gestrichene Töne, Geigenbogen auf Metallbecken, erzeugen ein zwiespältiges Gefühl. Der musikalische Anstoß erweckt eine Stimme, diese entwickelt sich buchstäblich ins Leben, indem der Körper der Stimme folgt. Güppertz rollt sich über die Bühne, die Hülle fällt ab und da steht Olav Åsteson, ein Neugeborener in der geistigen Welt. Wie er da steht, geht und sich bewegt, zögernd tastend, scheu, inmitten von Bildern, die Brand und Flut sind. Hier ist die vielbeschworene Authentizität eines Gesamtkunstwerks einmal wirklich fühlbar, sie kommt zum Ausdruck in der Souveränität mit der beide Künstler ihr jeweiliges Metier beherrschen und der Intensität, mit der sie deshalb das Bühnengeschehen zwischen sich entstehen lassen. – Ein Traumlied der Wirklichkeit, gerade der heutigen.« Info 3, Februar 2004

»Eine sinnige, den Abend tragende Idee ist diese: Wie sich das Traumlied entwickelt, so entwickelt sich Güppertz, schält er sich aus seiner eisblauen Hülle, in die er sich am Ende wieder einfaltet. Geistergleich verschwindet sein Olav Åsteson bei langsam verglimmendem Licht. Eindrücklich ist dieser lichte Bühneneinfall, zeigt er doch, daß diese Traumbilder sich erst durch Raumbilder so recht entfalten.« StN, 29.12.03