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Bach / Balladen

Rezitation: Michael Ransburg

Am Klavier: Clemens Kröger

»Es waren gleich mehrere Aspekte, die die Vorstellung zu einem unvergesslichen Erlebnis werden ließen. Da war neben der Musik die Sprache. Das Herz ging auf, als man endlich wieder Deutsch in all seiner Wortgewalt, Ursprünglichkeit und Vielfalt zu hören bekam. « Mannheimer Morgen, 12.02.11

»[…] Wenn ein Schauspieler wie Michael Ransburg Balladen vorträgt, wird die Schönheit der Dichtungen hör- und spürbar. Auf einmal wird der Zuhörer in den Dichterhimmel versetzt und kann genießen. Zum Genuss der Dichtkunst kam mit dem Pianisten Clemens Kröger klassische Klaviermusik unter anderem von Bach, Chopin und Loewe dazu. […] Ransburg begann mit Goethe: „Über allen Gipfeln ist Ruh …“, und diese Ruhe war greifbar. Jeder Tonfärbung, jedem Wort war Leben inne. Die Stimme ließ das Bild, das Geschehen der Dichtung aufleben. Stille wurde fühlbar und das Publikum ging mit , kein Husten, kein Räuspern unterbrach „An den Mond“ von Goethe. Die Stimme, so wandelbar wie ein Bühnenbild. Hier die Stille, dann den aufgedrehten „Zauberlehrling“, der vor Energie kaum eine Sekunde still stehen kann.« Mittelbayrische. 17.02.16

»Schon ›Wanderers Nachtlied‹ belegt, dass mit Michael Ransburg ein echter Könner seines Fachs rezitierte. Wie er aber Schillers ›Bürgschaft‹ nicht vortrug, sondern vorlebte das war Gänsehaut pur.« Rhein-Neckar-Zeitung, 12.02.11

Clemens Kröger spielt etwa 100 Konzerte pro Jahr und hat als Solist, Kammer­musiker und Arrangeur Akzente gesetzt. Zusammen mit dem Cellisten Martin von Hopffgarten hat er z.B. eine komplette Umarbeitung der riesenhaften Besetzung von Arnold Schönbergs „Gurreliedern“ für Klavier, Cello und Sprecher vorgenommen. Aber auch Kinderkonzerte zusammen mit Martin Sieveking als Erzähler sind ein wichtiger Teil seiner Arbeit.

Er hat Klavier und Gesang studiert und an zahlreichen Musikhochschulen und Universitäten Gastkonzerte gespielt sowie Tätigkeiten an einigen Hochschulen in Deutschland, wie z.B. der Hochschule für Musik in Hamburg, aber auch an ausländischen Universitäten wie beispielsweise  der Universität Panama, dem Conservatorio de Musica La Paz oder dem Instituto Superior de Arte Havana/Cuba, als Gastdozent ausgeübt.

Kröger nimmt regelmäßig an bedeutenden Festivals teil und hat bereits zahlreiche CDs eingespielt.

Website Clemens Kröger

Hier finden Sie eine Auwahl einiger Balladen, die Michael Ransburg in ›Bach/Balladen‹ spricht.

Von Johann Wolfgang von Goethe

Der du von dem Himmel bist,

Alles Leid und Schmerzen stillest,

Den, der doppelt elend ist,

Doppelt mit Erquickung füllest,

Ach, ich bin des Treibens müde!

Was soll all der Schmerz und Lust?

Süßer Friede,

Komm, ach komm in meine Brust!

Von Johann Wolfgang von Goethe

Bedecke deinen Himmel, Zeus,

Mit Wolkendunst!

Und übe, Knaben gleich,

Der Disteln köpft,

An Eichen dich und Bergeshöhn!

Mußt mir meine Erde

Doch lassen stehn,

Und meine Hütte,

Die du nicht gebaut,

Und meinen Herd,

Um dessen Glut

Du mich beneidest.

Ich kenne nichts Ärmeres

Unter der Sonn als euch Götter.

Ihr nähret kümmerlich

Von Opfersteuern

Und Gebetshauch

Eure Majestät

Und darbtet, wären

Nicht Kinder und Bettler

Hoffnungsvolle Toren.

Da ich ein Kind war,

Nicht wußte, wo aus, wo ein,

Kehrte mein verirrtes Aug

Zur Sonne, als wenn drüber wär

Ein Ohr zu hören meine Klage,

Ein Herz wie meins,

Sich des Bedrängten zu erbarmen.

Wer half mir wider

Der Titanen Übermut?

Wer rettete vom Tode mich,

Von Sklaverei?

Hast du’s nicht alles selbst vollendet,

Heilig glühend Herz?

Und glühtest, jung und gut,

Betrogen, Rettungsdank

Dem Schlafenden dadroben?

Ich dich ehren? Wofür?

Hast du die Schmerzen gelindert

Je des Beladenen?

Hast du die Tränen gestillet

Je des Geängsteten?

Hat nicht mich zum Manne geschmiedet

Die allmächtige Zeit

Und das ewige Schicksal,

Meine Herren und deine?

Wähntest du etwa,

Ich sollte das Leben hassen,

In Wüsten fliehn,

Weil nicht alle Knabenmorgen-

Blütenträume reiften?

Hier sitz ich, forme Menschen

Nach meinem Bilde,

Ein Geschlecht, das mir gleich sei,

Zu leiden, weinen,

Genießen und zu freuen sich,

Und dein nicht zu achten,

Wie ich.

Von Conrad Ferdinand Meyer

Wild zuckt der Blitz. In fahlem Lichte steht ein Turm

Der Donner rollt. Ein Reiter kämpft mit seinem Ross

Springt ab und pocht ans Tor und lärmt. Sein Mantel saust

Im Wind. Er hält den scheuen Fuchs am Zügel fest.

Ein schmales Gitterfenster schimmert goldenhell

Und knarrend öffnet jetzt das Tor ein Edelmann …

– »Ich bin ein Knecht des Königs, als Kurier geschickt

Nach Nîmes. Herbergt mich! Ihr kennt des Königs Rock!«

– »Es stürmt. Mein Gast bist du. Dein Kleid, was kümmerts mich?

Tritt ein und wärme dich! Ich sorge für dein Tier!«

Der Reiter tritt in einen dunkeln Ahnensaal,

Von eines weiten Herdes Feuer schwach erhellt,

Und je nach seines Flackerns launenhaftem Licht

Droht hier ein Hugenott im Harnisch, dort ein Weib,

Ein stolzes Edelweib aus braunem Ahnenbild …

Der Reiter wirft sich in den Sessel vor dem Herd

Und starrt in den lebendgen Brand. Er brütet, gafft …

Leis sträubt sich ihm das Haar. Er kennt den Herd, den Saal …

Die Flamme zischt. Zwei Fusse zucken in der Glut.

Den Abendtisch bestellt die greise Schaffnerin

Mit Linnen blendend weiss. Das Edelmägdlein hilft.

Ein Knabe trug den Krug mit Wein. Der Kinder Blick

Hangt schreckensstarr am Gast und hangt am Herd entsetzt …

Die Flamme zischt. Zwei Füsse zucken in der Glut.

– »Verdammt! Dasselbe Wappen! Dieser selbe Saal!

Drei Jahre sinds … Auf einer Hugenottenjagd …

Ein fein, halsstarrig Weib … ›Wo steckt der Junker? Sprich!‹

Sie schweigt. ›Bekenn!‹ Sie schweigt. ›Gib ihn heraus!‹ Sie schweigt.

Ich werde wild. Der Stolz! Ich zerre das Geschöpf …

Die nackten Füsse pack ich ihr und strecke sie

Tief mitten in die Glut … ›Gib ihn heraus!‹ … Sie schweigt …

Sie windet sich … Sahst du das Wappen nicht am Tor?

Wer hiess dich hier zu Gaste gehen, dummer Narr?

Hat er nur einen Tropfen Bluts, erwürgt er dich.« –

Eintritt der Edelmann. »Du träumst! Zu Tische, Gast …«

Da sitzen sie. Die drei in ihrer schwarzen Tracht

Und er. Doch keins der Kinder spricht das Tischgebet.

Ihn starren sie mit aufgerissnen Augen an –

Den Becher füllt und übergiesst er, stürzt den Trunk,

Springt auf: »Herr, gebet jetzt mir meine Lagerstatt!

Müd bin ich wie ein Hund!« Ein Diener leuchtet ihm,

Doch auf der Schwelle wirft er einen Blick zurück

Und sieht den Knaben flüstern in des Vaters Ohr …

Dem Diener folgt er taumelnd in das Turmgemach.

Fest riegelt er die Tür. Er prüft Pistol und Schwert.

Gell pfeift der Sturm. Die Diele bebt. Die Decke stöhnt.

Die Treppe kracht … Dröhnt hier ein Tritt? Schleicht dort ein Schritt? …

Ihn täuscht das Ohr. Vorüberwandelt Mitternacht.

Auf seinen Lidern lastet Blei, und schlummernd sinkt

Er auf das Lager. Draussen plätschert Regenflut.

Er träumt. »Gesteh!« Sie schweigt. »Gib ihn heraus!« Sie schweigt.

Er zerrt das Weib. Zwei Füsse zucken in der Glut.

Aufsprüht und zischt ein Feuermeer, das ihn verschlingt …

– »Erwach! Du solltest längst von hinnen sein! Es tagt!«

Durch die Tapetentür in das Gemach gelangt,

Vor seinem Lager steht des Schlosses Herr – ergraut,

Dem gestern dunkelbraun sich noch gekraust das Haar.

Sie reiten durch den Wald. Kein Lüftchen regt sich heut.

Zersplittert liegen Ästetrümmer quer im Pfad,

Die frühsten Vöglein zwitschern, halb im Traume noch.

Friedselge Wolken schwimmen durch die klare Luft,

Als kehrten Engel heim von einer nächtgen Wacht.

Die dunkeln Schollen atmen kräftgen Erdgeruch,

Die Ebne öffnet sich. Im Felde geht ein Pflug,

Der Reiter lauert aus den Augenwinkeln: »Herr,

Ihr seid ein kluger Mann und voll Besonnenheit

Und wisst, dass ich dem grössten König eigen bin.

Lebt wohl! Auf Nimmerwiedersehn!« Der andre spricht:

»Du sagsts! Dem grössten König eigen! Heute ward

Sein Dienst mir schwer … Gemordet hast du teuflisch mir

Mein Weib! Und lebst … Mein ist die Rache, redet Gott.«

Von Johann Wolfgang von Goethe

Hat der alte Hexenmeister

Sich doch einmal wegbegeben!

Und nun sollen seine Geister

Auch nach meinem Willen leben.

Seine Wort und Werke

Merkt ich und den Brauch,

Und mit Geistesstärke

Tu ich Wunder auch.

Walle! walle

Manche Strecke,

Daß, zum Zwecke,

Wasser fließe

Und mit reichem, vollem Schwalle

Zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen,

Nimm die schlechten Lumpenhüllen!

Bist schon lange Knecht gewesen:

Nun erfülle meinen Willen!

Auf zwei Beinen stehe, =

Oben sei ein Kopf,

Eile nun und gehe

Mit dem Wassertopf!

Walle! walle

Manche Strecke,

Daß, zum Zwecke,

Wasser fließe

Und mit reichem, vollem Schwalle

Zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder!

Wahrlich! ist schon an dem Flusse,

Und mit Blitzesschnelle wieder

Ist er hier mit raschem Gusse.

Schon zum zweiten Male!

Wie das Becken schwillt!

Wie sich jede Schale

Voll mit Wasser füllt!

Stehe! stehe!

Denn wir haben

Deiner Gaben

Vollgemessen! –

Ach, ich merk es! Wehe! wehe!

Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende

Er das wird, was er gewesen!

Ach, er läuft und bringt behende!

Wärst du doch der alte Besen!

Immer neue Güsse

Bringt er schnell herein,

Ach, und hundert Flüsse

Stürzen auf mich ein!

Nein, nicht länger

Kann ichs lassen:

Will ihn fassen!

Das ist Tücke!

Ach, nun wird mir immer bänger!

Welche Miene! welche Blicke!

O, du Ausgeburt der Hölle!

Soll das ganze Haus ersaufen?

Seh ich über jede Schwelle

Doch schon Wasserströme laufen.

Ein verruchter Besen, =

Der nicht hören will!

Stock, der du gewesen,

Steh doch wieder still!

Willst am Ende

Gar nicht lassen?

Will dich fassen,

Will dich halten

Und das alte Holz behende

Mit dem scharfen Beile spalten!

Seht, da kommt er schleppend wieder!

Wie ich mich nur auf dich werfe,

Gleich, o Kobold, liegst du nieder;

Krachend trifft die glatte Schärfe.

Wahrlich! brav getroffen! =

Seht, er ist entzwei!

Und nun kann ich hoffen,

Und ich atme frei!

Wehe! wehe!

Beide Teile

Stehn in Eile

Schon als Knechte

Völlig fertig in die Höhe!

Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer

Wirds im Saal und auf den Stufen:

Welch entsetzliches Gewässer!

Herr und Meister, hör mich rufen! –

Ach, da kommt der Meister!

Herr, die Not ist groß!

Die ich rief, die Geister,

Werd ich nun nicht los.

„In die Ecke,

Besen! Besen!

Seids gewesen!

Denn als Geister

Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,

Erst hervor der alte Meister.“

Von Friedrich Schiller

»Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp,

Zu tauchen in diesen Schlund?

Einen goldnen Becher werf ich hinab,

Verschlungen schon hat ihn der schwarze Mund.

Wer mir den Becher kann wieder zeigen,

Er mag ihn behalten, er ist sein eigen.«

Der König spricht es und wirft von der Höh

Der Klippe, die schroff und steil

Hinaushängt in die unendliche See,

Den Becher in der Charybde Geheul.

»Wer ist der Beherzte, ich frage wieder,

Zu tauchen in diese Tiefe nieder?«

Und die Ritter, die Knappen um ihn her

Vernehmen’s und schweigen still,

Sehen hinab in das wilde Meer,

Und keiner den Becher gewinnen will.

Und der König zum drittenmal wieder fraget:

»Ist keiner, der sich hinunter waget?«

Doch alles noch stumm bleibt wie zuvor,

Und ein Edelknecht, sanft und keck,

Tritt aus der Knappen zagendem Chor,

Und den Gürtel wirft er, den Mantel weg,

Und alle die Männer umher und Frauen

Auf den herrlichen Jüngling verwundert schauen.

Und wie er tritt an des Felsen Hang

Und blickt in den Schlund hinab,

Die Wasser, die sie hinunterschlang,

Die Charybde jetzt brüllend wiedergab,

Und wie mit des fernen Donners Getose

Entstürzen sie schäumend dem finstern Schosse.

Und es wallet und siedet und brauset und zischt,

Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,

Bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt,

Und Flut auf Flut sich ohn Ende drängt,

Und will sich nimmer erschöpfen und leeren,

Als wollte das Meer noch ein Meer gebären.

Doch endlich, da legt sich die wilde Gewalt,

Und schwarz aus dem weissen Schaum

Klafft hinunter ein gähnender Spalt,

Grundlos, als ging’s in den Höllenraum,

Und reissend sieht man die brandenden Wogen

Hinab in den strudelnden Trichter gezogen.

Jetzt schnell, eh die Brandung wiederkehrt,

Der Jüngling sich Gott befiehlt,

Und – ein Schrei des Entsetzens wird rings gehört,

Und schon hat ihn der Wirbel hinweggespült,

Und geheimnisvoll über dem kühnen Schwimmer

Schliesst sich der Rachen, er zeigt sich nimmer.

Und stille wird’s über dem Wasserschlund,

In der Tiefe nur brauset es hohl,

Und bebend hört man von Mund zu Mund:

»Hochherziger Jüngling, fahre wohl!«

Und hohler und hohler hört man’s heulen,

Und es harrt noch mit bangem, mit schrecklichem Weilen.

Und wärfst du die Krone selber hinein

Uns sprächst: Wer mir bringet die Kron,

Er soll sie tragen und König sein –

Mich gelüstete nicht nach dem teuren Lohn.

Was die heulende Tiefe da unter verhehle,

Das erzählt keine lebende glückliche Seele.

Wohl manches Fahrzeug, vom Strudel gefasst,

Schoss jäh in die Tiefe hinab,

Doch zerschmettert nur rangen sich Kiel und Mast,

Hervor aus dem alles verschlingenden Grab.-

Und heller und heller, wie Sturmes Sausen,

Hört man’s näher und immer näher brausen.

Und es wallet und siedet und brauset und zischt,

Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,

Bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt,

Und Well auf Well sich ohn Ende drängt,

Und wie mit des fernen Donners Getose

Entstürzt es brüllend dem finstern Schosse.

Und sieh! aus dem finster flutenden Schoss,

Da hebet sich’s schwanenweiss,

Und ein Arm und ein glänzender Nacken wird bloss,

Und es rudert mit Kraft und mit emsigem Fleiss,

Und er ist’s, und hoch in seiner Linken

Schwingt er den Becher mit freudigem Winken.

Und atmete lang und atmete tief

Und begrüsste das himmlische Licht.

Mit Frohlocken es einer dem andern rief:

»Er lebt! Er ist da! Es behielt ihn nicht!

Aus dem Grab, aus der strudelnden Wasserhöhle

Hat der Brave gerettet die lebende Seele.«

Und er kommt, es umringt ihn die jubelnde Schar,

Zu des Königs Füssen er sinkt,

Den Becher reicht er ihm kniend dar,

Und der König der lieblichen Tochter winkt,

Die füllt ihn mit funkelndem Wein bis zum Rande,

Und der Jüngling sich also zum König wandte:

»Lange lebe der König! Es freue sich,

Wer da atmet im rosigten Licht!

Da unten aber ist’s fürchterlich,

Und der Mensch versuche die Götter nicht

Und begehre nimmer und nimmer zu schauen,

Was sie gnädig bedeckten mit Nacht und Grauen.

Es riss mich hinunter blitzesschnell –

Da stürzt mir aus felsigtem Schacht

Wildflutend entgegen ein reissender Quell:

Mich packte des Doppelstroms wütende Macht,

Und wie einen Kreisel mit schwindendelm Drehen

Trieb mich’s um, ich konnte nicht widerstehen.

Da zeigte mir Gott, zu dem ich rief

In der höchsten schrecklichen Not,

Aus der Tiefe ragend ein Felsenriff,

Das erfasst ich behend und entrann dem Tod –

Und da hing auch der Becher an spitzen Korallen,

Sonst wär er ins Bodenlose gefallen.

Denn unter mir lag’s noch, bergetief,

In purpurner Finsternis da,

Und ob’s hier dem Ohre gleich ewig schlief,

Das Auge mit Schaudern hinuntersah,

Wie’s von Salamandern und Molchen und Drachen

Sich regt‘ in dem furchtbaren Höllenrachen.

Schwarz wimmelten da, in grausem Gemisch,

Zu scheusslichen Klumpen geballt,

Der stachligte Roche, der Klippenfisch,

Des Hammers greuliche Ungestalt,

Und dräuend wies mir die grimmigen Zähne

Der entsetzliche Hai, des Meeres Hyäne.

Und da hing ich und war’s mit Grausen bewusst

Von der menschlichen Hilfe so weit,

Unter Larven die einzige fühlende Brust,

Allein in der grässlichen Einsamkeit,

Tief unter dem Schall der menschlichen Rede

Bei den Ungeheuern der traurigen Öde.

Und schaudernd dacht ich’s, da kroch’s heran,

Regte hundert Gelenke zugleich,

Will schnappen nach mir – in des Schreckens Wahn

Lass ich los der Koralle umklammerten Zweig;

Gleich fasst mich der Strudel mit rasendem Toben,

Doch es war mir zum Heil, er riss mich nach oben.«

Der König darob sich verwundert schier

Und spricht: »Der Becher ist dein,

Und diesen Ring noch bestimm ich dir,

Geschmückt mit dem köstlichsten Edelgestein,

Versucht du’s noch einmal und bringt mir Kunde,

Was du sahst auf des Meeres tiefunterstem Grunde.«

Das hörte die Tochter mit weichem Gefühl,

Und mit schmeichelndem Munde sie fleht:

»Lasst, Vater, genug sein das grausame Spiel!

Er hat Euch bestanden, was keiner besteht,

Und könnt Ihr des Herzens Gelüsten nicht zähmen,

So mögen die Ritter den Knappen beschämen.«

Drauf der König greift nach dem Becher schnell,

In den Strudel ihn schleudert hinein:

»Und schaffst du den Becher mir wieder zur Stell,

So sollst du der trefflichste Ritter mir sein

Und sollst sie als Ehegemahl heut noch umarmen,

Die jetzt für dich bittet mit zartem Erbarmen.«

Da ergreift’s ihm die Seele mit Himmelsgewalt,

Und es blitzt aus den Augen ihm kühn,

Und er siehet erröten die schöne Gestalt

Und sieht sie erbleichen und sinken hin –

Da treibt’s ihn, den köstlichen Preis zu erwerben,

Und stürzt hinunter auf Leben und Sterben.

Wohl hört man die Brandung, wohl kehrt sie zurück,

Sie verkündigt der donnernde Schall –

Da bückt sich’s hinunter mit liebendem Blick:

Es kommen, es kommen die Wasser all,

Sie rauschen herauf, sie rauschen nieder,

Den Jüngling bringt keines wieder.

Von Friedrich Schiller

Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich

Damon, den Dolch im Gewande:

Ihn schlugen die Häscher in Bande,

»Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!«

Entgegnet ihm finster der Wüterich.

»Die Stadt vom Tyrannen befreien!«

»Das sollst du am Kreuze bereuen.«

»Ich bin«, spricht jener, »zu sterben bereit

Und bitte nicht um mein Leben:

Doch willst du Gnade mir geben,

Ich flehe dich um drei Tage Zeit,

Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;

Ich lasse den Freund dir als Bürgen,

Ihn magst du, entrinn‘ ich, erwürgen.«

Da lächelt der König mit arger List

Und spricht nach kurzem Bedenken:

»Drei Tage will ich dir schenken;

Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist,

Eh‘ du zurück mir gegeben bist,

So muß er statt deiner erblassen,

Doch dir ist die Strafe erlassen.«

Und er kommt zum Freunde: »Der König gebeut,

Daß ich am Kreuz mit dem Leben

Bezahle das frevelnde Streben.

Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,

Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;

So bleib du dem König zum Pfande,

Bis ich komme zu lösen die Bande.«

Und schweigend umarmt ihn der treue Freund

Und liefert sich aus dem Tyrannen;

Der andere ziehet von dannen.

Und ehe das dritte Morgenrot scheint,

Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,

Eilt heim mit sorgender Seele,

Damit er die Frist nicht verfehle.

Da gießt unendlicher Regen herab,

Von den Bergen stürzen die Quellen,

Und die Bäche, die Ströme schwellen.

Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,

Da reißet die Brücke der Strudel herab,

Und donnernd sprengen die Wogen

Dem Gewölbes krachenden Bogen.

Und trostlos irrt er an Ufers Rand:

Wie weit er auch spähet und blicket

Und die Stimme, die rufende, schicket.

Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,

Der ihn setze an das gewünschte Land,

Kein Schiffer lenket die Fähre,

Und der wilde Strom wird zum Meere.

Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,

Die Hände zum Zeus erhoben:

»O hemme des Stromes Toben!

Es eilen die Stunden, im Mittag steht

Die Sonne, und wenn sie niedergeht

Und ich kann die Stadt nicht erreichen,

So muß der Freund mir erbleichen.«

Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut,

Und Welle auf Welle zerrinnet,

Und Stunde an Stunde ertrinnet.

Da treibt ihn die Angst, da faßt er sich Mut

Und wirft sich hinein in die brausende Flut

Und teilt mit gewaltigen Armen

Den Strom, und ein Gott hat Erbarmen.

Und gewinnt das Ufer und eilet fort

Und danket dem rettenden Gotte;

Da stürzet die raubende Rotte

Hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,

Den Pfad ihm sperrend, und schnaubert Mord

Und hemmet des Wanderers Eile

Mit drohend geschwungener Keule.

»Was wollt ihr?« ruft er vor Schrecken bleich,

»Ich habe nichts als mein Leben,

Das muß ich dem Könige geben!«

Und entreißt die Keule dem nächsten gleich:

»Um des Freundes willen erbarmet euch!«

Und drei mit gewaltigen Streichen

Erlegt er, die andern entweichen.

Und die Sonne versendet glühenden Brand,

Und von der unendlichen Mühe

Ermattet sinken die Kniee.

»O hast du mich gnädig aus Räubershand,

Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land,

Und soll hier verschmachtend verderben,

Und der Freund mir, der liebende, sterben!«

Und horch! da sprudelt es silberhell,

Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen,

Und stille hält er, zu lauschen;

Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,

Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell,

Und freudig bückt er sich nieder

Und erfrischet die brennenden Glieder.

Und die Sonne blickt durch der Zweige Grün

Und malt auf den glänzenden Matten

Der Bäume gigantische Schatten;

Und zwei Wanderer sieht er die Straße ziehn,

Will eilenden Laufes vorüber fliehn,

Da hört er die Worte sie sagen:

»Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen.«

Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß;

Ihn jagen der Sorge Qualen;

Da schimmern in Abendrots Strahlen

Von ferne die Zinnen von Syrakus,

Und entgegen kommt ihm Philostratus,

Des Hauses redlicher Hüter,

Der erkennet entsetzt den Gebieter:

»Zurück! du rettest den Freund nicht mehr,

So rette das eigene Leben!

Den Tod erleidet er eben.

Von Stunde zu Stunde gewartet‘ er

Mit hoffender Seele der Wiederkehr,

Ihm konnte den mutigen Glauben

Der Hohn des Tyrannen nicht rauben.«

»Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht,

Ein Retter, willkommen erscheinen,

So soll mich der Tod ihm vereinen.

Des rühme der blut’ge Tyrann sich nicht,

Daß der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,

Er schlachte der Opfer zweie

Und glaube an Liebe und Treue!«

Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor,

Und sieht das Kreuz schon erhöhet,

Das die Menge gaffend umstehet;

An dem Seile schon zieht man den Freund empor,

Da zertrennt er gewaltig den dichter Chor:

»Mich, Henker«, ruft er, »erwürget!

Da bin ich, für den er gebürget!«

Und Erstaunen ergreifet das Volk umher,

In den Armen liegen sich beide

Und weinen vor Schmerzen und Freude.

Da sieht man kein Augen tränenleer,

Und zum Könige bringt man die Wundermär‘;

Der fühlt ein menschliches Rühren,

Läßt schnell vor den Thron sie führen,

Und blicket sie lange verwundert an.

Drauf spricht er: »Es ist euch gelungen,

Ihr habt das Herz mir bezwungen;

Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn –

So nehmet auch mich zum Genossen an:

Ich sei, gewährt mir die Bitte,

In eurem Bunde der dritte!«

Preise:

Verdienende 16,- €
Rentner 14,-
Ermäßigt 12,- €
Hintere Plätze 7,- €

Details

Start : 1. Juni // 20:00
End : 3. Juni // 20:00
Cost : 16€
Veranstaltungskategorie:

Veranstaltungsort

Venue Name : Forum Theater
Address : Gymnasiumstraße 21
Stuttgart, 70173 Deutschland

+ Google Karte
Phone : 0711/4400749-99
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