Kopenhagen

Forum Theater

Kopenhagen

von Michael Frayn
Regie: Dieter Nelle
Bühne und Kostüme: Marcel Keller
Mit Schirin Brendel,
Maarten Güppertz
und Michael Ransburg


Im Mittelpunkt stehen zwei berühmte Wissenschaftler: Werner Heisenberg und Niels Bohr. Die beiden pflegten 19 Jahre lang eine höchst intensive, produktive Freundschaft. Doch diese endete schlagartig, nachdem Heisenberg im Herbst 1941 Bohr in Kopenhagen besucht hatte. Warum war Heisenberg nach Kopenhagen gekommen?
Als Bohr 1943 aus Dänemark nach Amerika floh, stieß er dort zum sogenannten Manhattan-Projekt, das führende Physiker des alliierten Machtbereichs versammelte, um die Atombombe zu entwickeln. Seine erste Frage nach der Ankunft war: Wie weit ist Heisenberg? In seinem historisch genau recherchierten Stück lässt Frayn die drei Protagonisten - Heisenberg, Bohr und dessen Frau Margarethe – nach ihrem Tod erneut zusammentreffen, um die ›wahren‹ Umstände dieser Begegnung zu rekonstruieren. In immer neuen Anläufen tragen sie die Schichten ihrer Vergangenheit ab und geraten dabei immer tiefer hinein in einen packenden Kreislauf aus schmerzhaften Erinnerungen und nicht verheilten Wunden.
Auf faszinierende Weise verwebt Frayn Fakten und Fiktion, um das Psychogramm einer zerbrochenen Freundschaft zu zeichnen, welche die Revolution des wissenschaftlichen Weltbildes durch die Erkenntnisse der Atomphysik nicht bloß widerspiegelt, sondern vielmehr entscheidend geprägt hat - bis in ihre verheerenden Folgen hinein.

Gruppen erhalten Ermäßigung

Aufführungen:
Kartenvorverkauf
ab 23. September
Letzte Vorstellungen:
Donnerstag, 20.11., 20.00 Uhr Vorb. extern
Kartenvorverkauf
ab 23. September:
Freitag, 21.11., 20.00 Uhr Vorb. extern
Kartenvorverkauf
ab 23. September:
Samstag, 22.11., 20.00 Uhr Vorb. extern
Kartenvorverkauf
ab 23. September:
Sonntag, 23.11., 18.00 Uhr Vorb. extern
Kartenvorverkauf
ab 23. September:
Mittwoch, 26.11., 20.00 Uhr Vorb. extern
Kartenvorverkauf
ab 23. September:
Donnerstag, 27.11., 20.00 Uhr Vorb. extern
Kartenvorverkauf
ab 23. September:
Samstag, 29.11., 20.00 Uhr Vorb. extern
Kartenvorverkauf
ab 23. September
Zum letzten Mal:
Sonntag, 30.11., 18.00 Uhr Vorb. extern
Preise:
Verdienende 16,- €
Rentner 14,- €
Ermäßigt 12,- €
Hintere Pläte 7,- €

»Zu Beginn des Stücks sind die drei Protagonisten schon tot. Im Jenseits versuchen sie eine Situation des Jahres 1941 zu rekonstruieren. Die Personen von Michael Frayns Stück ›Kopenhagen‹ sind historische Figuren. Die Kernphysiker Niels Bohr und Werner Heisenberg, beide Nobelpreisträger, waren Größen der modernen Physik. Die dritte Person ist Bohrs Frau Margarethe. Über der Bühne des Forum-Theaters ist ein großer Lichtkreis aufgehängt, auf dem Bühnenboden leuchtet eine helle rund Fläche, in die eine mit Wasser gefüllte Vertiefung eingelassen ist. Archaisch-magisch wirkt dieses Arrangement (Ausstattung: Marcel Keller). Der Däne Bohr und der Deutsche Heisenberg arbeiten an der Kernspaltung, was ›etwas Magisches‹ habe, wie Bohr erklärt. Die Wortwahl verblüfft. Sind Naturwissenschaftler nicht höchst rationale Menschen? Frayns Stück zeigt sie als Menschen mit Gefühlen und Ängsten. […] Das zentrale Thema von Frayns Stück ist die Mitverantwortung des Wissenschaftlers für grauenvolle Folgen ihrer Forschung. Heisenberg spricht im Stück, das ja auf den Zweiten Weltkrieg zurückblickt, mit Entsetzen über Hiroshima. Die prekäre Rolle von Forschern, die wissenschaftliche Voraussetzungen für moralisch äußerst fragwürdige Projekte liefern, wird von Frayn raffiniert beleuchtet. Alle möglichen Bekenntnisse und Winkelzüge spielt er in den Dialogen zwischen Bohr und Heisenberg durch.
Die Darsteller im Forum Theater machen ihre Sache gut. Maarten Güppertz gibt den großen Wissenschaftler Niels Bohr als souveräne Figur mit großer Autorität. Michael Ransburg spielt Heisenberg bisweilen allzu aufgeregt und aufgedreht. Schön aber bekommt er den leidenschaftlichen Wissenschaftler Heisenberg hin. […] Frayns Text ist im Grunde nur begrenzt theatertauglich. Dennoch hat Dieter Nelle aus dem sehr sperrigen und theorielastigen Stück einen spannenden Theaterabend gemacht.
Stuttgarter Zeitung, 02.05.2014

»Zwei stolze Männer. Eine unbeugsame Frau. In Posen erstarrt im hinteren Teil der Bühne – ein Blick aus dem Heute ins das Totenreich. Puristisch, edel die Ausstattung von Marcel Keller an dieser Inszenierung von Dieter Nelle. Nur ein raumfüllender Lichtkreis erhellt in wechselnder Intensität die Bühne. […] Maarten Güppertz ist Bohr. Nobel gekleidet in dunklem Tuch mit Weste und Schlips, weich in den Bewegungen, variantenreich in den Stimmungen. Michael Ransburg ist Heisenberg. Die Dialoge – eine unglaubliche Ansammlung von Fachvokabular und Zusammenführungen von Sachverhalten in der theoretischen Physik – werden zum Trialog, wenn Schirin Brendel als Bohrs Gattin hinzu kommt. […] ›Kopenhagen‹ leb von sich unterscheidenden Spiegelungen der Erinnerungen. Immer aufs Neue lässt Regisseur Dieter Nelle die Protagonisten die formelle Frage durchspielen, in der mit tieferem Sinn die ethische Frage nach der Verantwortung des Wissenschaftlers steckt. Fein nuanciert ist das Spiel bei aller Strenge des Sujets, wunderbar das Geräusch – und Musikkonzept.«
Stuttgarter Nachrichten, 05.05.2014