Das Wintermärchen

Forum Theater

Das Wintermärchen

Von William Shakespeare
Regie: Dieter Nelle
Bühne: Marcel Keller
Kostüme: Marie Freihofer
Mit: Britta Scheerer, Schirin Brendel, Laura Kaiser, Johannes Hauser, Martin König, Michael Ransburg und Udo Rau


Aus der Winterstarre führt das Stück in einen unfassbaren Sommer – von der zerstörerischen Verblendung aus Eifersucht zur Erlösung durch Liebe und Vertrauen.
Man weiß, dass es in Märchen oft schrecklich zugeht. Hänsel soll in den Backofen gestopft werden, Dornröschen und ein ganzes Land verfallen in einen hundertjährigen Schlaf, Schneewittchen liegt im Giftkoma. Wenn Shakespeare am Ende eines langen Theaterlebens ein Märchen schreibt, dann weiß er was er tut und mischt alles hinein, was es dazu braucht – und mehr. In Shakespeares „Wintermärchen“ führt ein plötzlicher Anfall von Eifersucht dazu, dass König Leontes alles verliert, was er hat: seinen besten Freund, seinen Sohn, seine neugeborene Tochter und seine Ehefrau. Ein blühendes Königreich verfällt der Winterstarre trostloser Trauer in dessen Innerstem Leontes in Einsamkeit versinkt. Der erste Teil des Wintermärchens ist finster wie Othello oder König Lear. Der zweite Teil spielt 16 Jahre später. Denn Heilung braucht Zeit. Der zweite Teil ist heiter und elegante Komödie, voller Musik und Taschenspielertricks. Am Ende gewinnt Leontes wunderbarerweise seine Tochter, seine Frau und seinen Freund zurück. Der eigene Sohn ist unrettbar verloren, dafür gewinnt er einen Schwiegersohn. Alles hat seinen Preis – auch das Glück.

Preise:
Verdienende 16,- €
Rentner 14,- €
Ermäßigt 12,- €
Hintere Plätze 7,- €

»[…] Mit einem kleinen Ensemble ein so opulentes Werk wie „Das Wintermärchen“ auf eine ebenso kleine Bühne zu bringen, grenzt an Tollkühnheit. Dieter Nelle hat sie mit sieben Schauspielern in vielen Rollen gewagt – und gewonnen. Shakespeares Nachdenken über das Wesen der Zeit - der Augenblick, der geschieht, gerinnt sogleich zur Vergangenheit -, interpretiert das Ensemble als Fluss von inneren und äußeren Bildern. Rot als Symbol aufgewühlter Seelen sind die Fahnen an bühnenhohen Stützen, mit denen Ausstatter Marcel Keller im ersten Teil den Spielraum gliedert. Hier toben die Gefühle von Leontes (Udo Rau), hier brüten seine bösen Fantasien. Die Hände in den Hosentaschen, stolziert er wie ein tief gekränkter Gockel. Und hier fordert Königin Hermione (Britta Scheerer) Respekt: „Meine Ehre ist mein Erbe an die meinen.“[…]«
Stuttgarter Nachrichten, 13.10.15

» […] Udo Rau spielt den krankhaft eifersüchtigen Leontes kühl und lässig als abstoßend selbstgewisse Type. Hinter der Eiseskälte verbirgt sich ein höchst emotionaler, schaurig verbohrter Mensch. […] Michael Ransburg, der gleich drei Figuren spielt, kann als schräger Vogel seine Bühnenpräsenz ausagieren, etwa als weißhaariger Alt-Hippie mit Gesundheitssandalen. Die witzigen Kostüme hat Marie Freihofer gestaltet.[…] Dieter Nelles Inszenierung schafft es, Shakespeares umwerfende Modernität auf der Bühne zu verdeutlichen. Seine psychologische Schärfe und Klarheit lässt alles Ständisch-Formale, alles Historische verblassen. Und dieser Inszenierung gelingt es auch, die utopisch-surrealen Momente des Stücks mit Bühnenleben zu erfüllen. Hermione (Britta Scheerer) erstarrt und wird in einen Pappkarton verfrachtet, doch sie ist bloß scheintot und wird wieder lebendig. Am Ende wird alles gut, doch das Happy End wirkt nicht peinlich und aufgesetzt, sondern ist ein theatralischer Gegenentwurf zum realen So-Sein. Nach gut drei Stunden steht Udo Rau als Leontes ganz allein staunend auf der Bühne, und das ist ein sprechendes Schlussbild.
Stuttgarter Zeitung, 12.10.15